Viel Bier, viel Kies und 3 Millionen tote Bremsen -
WILDBOYS '04

Wir wussten, das wird etwas großes, etwas wildes, etwas legendäres: Die WILDBOYS, damals noch zu zweit, gehen auf große Tour.
Nachdem das 5er Raft, 4 Kästen Bier, 3 Tagesrationen Essen, 2 WILDBOYS und 1 Luftpumpe im 4er Golf (1 Fahrer...) verpackt waren ging's ab nach Oberau. Noch ein kurzer Stopp an der Tanke, um die nötigen geographischen Daten bezüglich des Aufenthaltsortes der Loisach zu sammeln und um im Gegenzug dazu noch etwas dazulassen, was sonst im Wald gelandet wäre und schon konnte uns nix mehr aufhalten. Aber erstmal musste natürlich noch Luft ins, Wasser unters und Bier aufs Boot, alles Andere wär ja totaler Quatsch.
Dann war es soweit: Die Geschichte der Seefahrt bekam zwei neue Helden. Die WILDBOYS bestiegen ihr, ähm, eher türkisch beladenes Boot (das schwimmende Äquivalent zu Autos mit Matratze aufm Dach).
Voll bepackt und das letzte Mal nüchtern für die nächsten drei Tage stachen wir "in Fluss", und begannen die Tour mit unserem ersten 360°-Turn. Zeit, die erste Halbe aufzureißen.
So gestaltete sich auch größtenteils der Rest des Tages, Halbe aufreißen, 360°, Halbe aufreißen und so weiter. Ein Problem bekommt man allerdings, wenn man ein wasserscheues Boot gemietet hat, das ständig Richtung Ufer treibt (die alde Drecksau (Anm. des. Autors)). Am Ufer wachsen nämlich Pflanzen, und Pflanzen haben Äste und Dornen und die wiederum hängen unschuldig schauend unverschämt weit in den Fluß. Kommt man also dem Ufer zu hahe kommt der feine Herr Ast-mit-Dornen-dran und zerkratzt dir, im besten Fall, den Rücken. Die krebsrote Farbe am Abend kam also nicht nur von der Sonne.
Frage: Wenn man vom Boot ins Wasser pinkelt, treibt man dann den Rest der Strecke im eigenen Urin? Wir wussten es nicht, deshalb haben wir uns zum Wasserlassen ins Wasser gelassen (gefühlte Temperatur: -48°). Da WILDBOYS ja mitdenken, binden sie das Boot vorher an eine Leine und springen mit der ins Wasser, um nachher dem Boot nicht hinterher zu laufen/schwimmen/fallen. So, jetzt ist wieder mitdenken angesagt: Angenommen das Seil ist ungefähr 10 Meter lang, wie lang darf es dauern bis man merkt das sich der Knoten am Boot gelöst hat und jetzt gar kein Ruck kommt? Na? Richtig, man sollte keine halbe Minute verstreichen lassen bis das Boot schon fast außer Sichtweite ist. Egal, auch Waldlaufen ist wild.
Verlassen haben wir das Boot auch zu anderen Anlässen, sei es um gewisse Utensilien aus dem Fluss zu fischen, das Boot im Wehr auf die richtige Bahn zu bringen ("...fahrt links vom Baumstamm, links vom Baumstamm... ach scheiße...") oder nur einfach so. Oder, gegen Ende des Tages (was auch gleichzeitig das Ende des 1. Kastens war) hats uns auch das ein oder andere Mal ins Wasser gehauen, weil wir einfach besoffen waren.
Nun ja, nach nem halben Tag Wildwasser-Rafting kam der Kochelsee in Sicht und es war langsam an der Zeit einen Schlafplatz zu suchen. Kriterien: Feuerfest, nicht nass, relativ eben weil sonst Rückenschmerzen, vielleicht keine groben Steine weil sonst Ganzkörperschmerzen und bitte weit und breit keine Sau die stören könnte.
Mangels Alternativen haben wir uns für ein nettes Kieswerk an der Nordwestlichen Ecke des Kochelsees entschieden und ich sag mal so: Feuerfest wars. Hier einige Impressionen:
Angelegtes Boot im Kieswerk, Basti im Doppelzimmer mit fließend Wasser.
Diese Fotos sind am nächsten Morgen entstanden, wie oben bemerkt hatten wir vorm Anlanden jeder um die 10 Halbe im bleden Schädl, deswegen waren wir zu viel mehr als Essen in Dosen erwärmen nicht mehr wirklich fähig (Verlustrate durch Verschütten: ca 18%).
A propos nächster Morgen: Geweckt wurden wir von einigen Vierzigtonnern, die ungefähr 5 Meter von unserem Schlafplatz entfernt ins Kieswerk gedonnert sind, zu ganz perversen Uhrzeiten. So blieb uns nix übrig als unser Zeug zu packen und unsere schwierigste Etappe anzugehen, die Überquerung des Kochelsees. Aber nicht ohne vorher noch ein kleines Video (4,5 MB) von unserem Schlafkieswerk zu machen.
Dann wurde gepaddelt. Einer links, einer rechts um halb neun in der früh in der Vormittagssonne Vollgas ab übern See. Für Turbopaddler wie uns war der Spaß nach nem guten Stünderl vorbei, Zeit beim Trimini-Parkplatz zu frühstücken und sich in die Sonne zu legen.
Nach diesem wohlverdientem Päuschen ging die Tour auf der Loisach weiter, allerdings in eher gemütlichem Tempo da das Temperament des Flusses stark zu wünschen übrig lies.
Dafür wartete bereits die nächste Herausforderung auf uns: Gut organisierte, brutale, absolut Autan-resistente und total stechgeile Bremsen. Diese Drecksviecher greifen in Rudeln an, meistens von hinten, und so ein Stich is ne Mischung zwischen Mücke und Biene, Tendenz eher Richtung Biene. Wenn ich sage wir haben ab da pro Tag ne dreistellige Summe erschlagen lüge ich wohl nicht.
Doch halb so wild, das Bier schmeckte bereits wieder und so setzten wir die Fahrt, halb paddelnd, halb treibend fort.
An dieser Stelle möchte ich die Qualität von Charming Toilettenpapier betonen, das einem selbst im Wald ein herrlich flauschig-zartes Wohlfühlgefühl beschert. Hier sollte man im wahrsten Sinne des Wortes nicht an der falschen Stelle sparen.
Doch weiter im Text: Wenn der WILDBOY sich nun gedacht hat mit der Überquerung des Kochelsees wär der anstrengende Teil des Tages vorbei hat er sich getäuscht, es gibt nämlich so genannte "unbefahrbare Wehre", welche wirklich nicht befahren werden können weil einem einfach ein Holzbrett den Weg versperrt. "Schleuse" nennt man die Dinger wohl. Also gabs ein bisschen Landurlaub, Boot ausräumen, Boot schultern (wiegt ja fast nix das nasse 5er-Hartgummiboot) und ca. 300 Meter von der Ein- bis zur Ausstiegsstelle Boot tragen. Und danach noch das ein oder andere Equipement, da bist erstmal beschäftigt sag ich dir.
Nach soviel Action muss man sich natürlich erstmal wieder ins Boot setzen und a Halbe trinken, is klar nä.
Doch es war immer noch nicht finito für die WILDBOYS: Nach eher kurzer Fahrt kamen wir zur nächsten Challenge, der Fluss wurde nämlich für die nächsten 500 Meter steinig, flach und damit auch recht wild. Aber nicht mit uns, einmal Boot tragen am Tag ist völlig ausreichend. So haben wir die Ausstiegsstelle und die Warnschilder am Ufer großzügig ignoriert und sind nei in die Stromschnelle. Die ein- oder andere Kollision mit etwaigen Steinen lies sich natürlich nicht vermeiden, genauso wenig wie das ein- oder andere verkeilen des Bootes in etwaigen Steinen. Langsam bekamen wir Erfahrung in der, nun, externen Bootführung (das heißt das Boot von der Wasserseite aus steuern).
Aber auch das haben wir geschafft, und danach, es war ja auch schon später Nachmittag, wars Zeit für heute den Fluss zu verlassen und den geschundenen Glieder ein wenig Erholung zu gönnen. Diesmal fanden wir einen spitzen Schlafplatz, relativ gut geschützt und sogar mit Gras auf dem Boden. Im Gegensatz zur ersten Nacht haben wir uns auch den Luxus erlaubt ein Zelt aufzubauen. A propos Luxus: Wir gönnten uns nach diesem harten Tag auch noch die WILDBOYS-Delikatesse, gebackene Bohnen mit Würschtl. Absolut geil.
Wie es ungefähr ausgesehen hat kann man sich hier und hier ankucken (Motto: krumme Beine- krummer Rücken).
Nach 2 Tagen Bier muss ich sagen hat man dann doch ganz gerne mal ne kleine Abwechslung, gut das wir mitgedacht und Wodka eingepackt haben. Nach dem fetten Essen genau das Richtige ("war fett gä" "ja richtig fett" "brauch ma an Schnaps gä" "ui ja Schnaps"). Mit vollem Magen und ner geschmeidigen Wodka-Mischung in der Wildnis am prasselnden Lagerfeuer sitzen - das Höchste für die WILDBOYS.
Am nächsten Tag schliefen wir etwas länger, schwangen uns dann wieder ins Boot und setzten die Tour fort. Zweimal mussten wir das Boot noch an Wehren vorbeitragen, bevor wir zum krönenden Abschluss unserer kleinen Fahrt kamen: dem Eurasburger Wehr. Hier presst sich der Großteil der Loisach durch eine 3 Meter Breite und ungefähr 1 Meter Tiefe Passage - dass dadurch die Geschwindigkeit etwas zunimmt kann sich der geneigte Leser sicher vorstellen. Um "kein Risiko" einzugehen hatten wir vorsichtshalber die Rucksäcke mit diversen Wertgegenständen am Ufer deponiert, die Kästen im Boot festgebunden und auch die Schwimmwesten angezogen (ich glaub zum ersten und einzigen Mal während der drei Tage). Und so fuhren wir dann, sogar einigermaßen gerade, in die Wasserrutsche. Einige hunderstel Sekunden und zwei "leck mich am Arsch!" später ist das Boot dann am unteren Ende der Passage gut beschleunigt in die Gischt getaucht. Nass waren wir beide, außerdem hätte der Basti im Bug des Bootes fast einen klassichen Knockout durch Kinntreffer erlitten, verursacht durch einen springenden Bierkasten. Ist aber alles heil geblieben, kuckst Du da und da (auf den Fotos sieht alles natürlich vieeel harmloser aus).
Danach paddelten wir noch ein bisschen, bis wir schließlich kurz vor Wolfratshausen unsere Tour beendeten, kurz vorm Auto-einräumen haben wir noch ein kleines Video (3,3 MB) vom Equipement gemacht.
Sodann war es vollbracht, die erste WILDBOYS-Rafting-Tour war geschafft. Aber das war erst der Anfang der WILDBOYS-Saga...

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